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Komposte für den ökologischen Landbau:

15.10.2019 von Helmut Strauß

Im Südwesten tut sich was!

Kompost in bester Qualität
Kompost in bester Qualität – das ist das oberste Ziel der Gütesicherung. Foto: VHE

Seit 2014 sind Biogutkomposte entsprechend den Richtlinienänderungen bei Bioland und Naturland nicht nur in EU-Ökolandbaubetrieben sondern auch in den Betrieben der meisten deutschen ökologischen Anbauverbände (mit Ausnahme von Demeter) und damit auf rund 90 % der deutschen Ökolandbauflächen einsetzbar. Voraussetzung ist die Einhaltung der EU Ökolandbauverordnung 889/2008, Anh. 1 und der strengen Richtlinien von Bioland und Naturland, die weitgehend identisch auch von den meisten anderen deutschen Anbauverbänden des Ökolandbaus übernommen worden sind. Um im Rahmen der RAL-Gütesicherung die zusätzlichen Anforderungen des ökologischen Landbaus an die Komposte prüfen zu lassen, ist ein entsprechender Antrag bei der BGK-Geschäftsstelle erforderlich.

Verschiedenste Initiativen - sowohl auf einzelbetrieblicher Ebene („Regionalnetzwerke Ökokompost“) als auch auf Verbandsebene und im F u. E-Bereich - entwickeln seit der Richtlinienänderung von Bioland und Naturland Kooperationen zwischen der Kompostwirtschaft und dem ökologischen Landbau. Auch werden seit einiger Zeit in einzelnen Bundesländern Analysen und Konzepte zu den Einsatzmöglichkeiten von gütegesicherten Biogut- und Grüngutkomposten im ökologischen Landbau erstellt. Zu solchen Themen wird fortlaufend weiter berichtet werden.

Mit die ersten diesbezüglichen Projekte stammen aus den Reihen der RGK Bayern und der RGK Südwest. Ein seitens ISA initiiertes und seitens der RGK Bayern seit 2016 vorangetriebenes Projekt mündete mittlerweile in einem großen, dreijährigen F u. E-Vorhaben unter Leitung der TU München und gefördert seitens der BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung). Seit 2017 führt die RGK Südwest in Zusammenarbeit mit ISA fortlaufend und sehr erfolgreich sowohl Veranstaltungen zur Information ihrer Mitglieder bezüglich der Vermarktungsmöglichkeiten von Komposten in den ökologischen Landbau als auch gemeinsame Fachveranstaltungen mit Bioland- und Naturlandvertretern durch. Im Zuge solcher Veranstaltungen wurde auch eine Zusammenarbeit mit der Stiftung Ökologie und Landbau sowie den Kolleginnen und Kollegen der Offizialberatung des ökologischen Landbaus begründet (in Hessen LLH-Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen und in Rheinland Pfalz/Saarland DLR-Dienstleistungszentren für den ländlichen Raum).

Sauberes Grün- und Biogut ist eine wesentliche Grundlage zur Produktion gütegesicherter Komposte.

Die nächste diesbezügliche Fachveranstaltung zu den Möglichkeiten und Grenzen des Komposteinsatzes im ökologischen Landbau findet am 11.11.19 im DLR Neustadt (W.) statt. Sie wendet sich hauptsächlich an Betriebe des ökologischen Landbaus aber natürlich auch an Kompostanlagenbetreiber (Interessenten bitte bei der Geschäftsstelle der RGK Südwest anfragen, Programm wurde bereits versendet). Wie immer wird der Theorieteil bei der Fachveranstaltung durch die Praxis ergänzt, dieses Mal durch eine Besichtigung der Kompostanalage Frankenthal.

Ein besonderes Highlight dieser Aktivitäten seitens der RGK Südwest und ISA war die Teilnahme am diesjährigen Kompostforum im Rahmen der 2. Bundesdeutschen Ökofeldtage in Frankenhausen, die dieses Mal von rund 12.000 Besuchern aus der gesamten Bundesrepublik nachgefragt wurden. Hier war die RGK Südwest sowohl durch einen gemeinschaftlichen Infostand mit der BGK als auch durch die Beteiligung an der inhaltlichen Gestaltung des Forums und durch Stellung mehrerer Referenten beteiligt, wodurch die Interessenten aus dem ökologischen Landbau sehr intensiv beraten werden konnten. Neue Kontakte zu Vermarktungsorganisationen für Komposte und zu Publikationsorganen wurden geknüpft.

Speziell für die 2. Ökofeldtage wurde seitens ISA in Kooperation mit der RGK Südwest, dem LLH und der VÖL (Vereinigung ökologischer Landbau Hessen) ein „Praxismerkblatt Biogut- und Grüngutkomposte für den ökologischen Landbau“ erstellt. Es behandelt das Thema für „Einsteiger“ sehr praxisorientiert und kompakt. Überdies ist es bundesweit die erste seitens der ökologischen Landbauverbände, der Offizialberatung eines Bundeslandes und der Kompostwirtschaft gemeinsam herausgegebene kleine Infoschrift zum Komposteinsatz im ökologischen Landbau. Ebenso wie das Kompostjournal Nr. 27 der RGK Südwest - als Sonderausgabe zum Komposteinsatz im Ökolandbau - wurde das Praxismerkblatt während der 2. Ökofeldtage in hoher Auflage über die Infostände von BGK/RGK Südwest, Bioland, Naturland und LLH an die Interessenten verteilt. Beide Publikationen finden Sie auch auf der HP der RGK Südwest (www.rgk-suedwest.de). Für Rheinland Pfalz und das Saarland wird ein ähnliches Praxismerkblatt in den nächsten Wochen folgen. 

Und bei allen diesen Aktivitäten wird natürlich immer wieder betont, wie wichtig es ist, daß Kompostwirtschaft und Ökolandbau bezüglich der sortenreinen Getrenntsammlung an einem Strang ziehen, um gute Kompostqualitäten zu erzielen. Zusammen mit dem Ökolandbau entsprechende gemeinsame Initiativen zu entwickeln wird bei den zukünftigen Arbeiten von RGK Südwest und ISA weiter an Bedeutung gewinnen. Damit wollen wir einen positiven Einfluß auf die örE ausüben und diese zu zusätzlich notwendigen Aktivitäten bei der Getrenntsammlung motivieren.

Über alle diese praxis- und umsetzungsorientierten Aktivitäten zur Unterstützung ihrer Mitglieder hinaus haben RGK Südwest und BGK die vor kurzem abgeschlossene Studie „Nährstoffrückführung durch Biogut- und Grüngutkomposte in den ökologischen Landbau Hessens“ sehr motiviert mit Datenrecherchen zu den aktuellen Kompostqualitäten in Hessen unterstützt. Die vorgenannte Studie wurde seitens des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) finanziert und fachlich begleitet sowie von einem Konsortium bestehend aus Witzenhausen Institut (federführend), VÖL und ISA durchgeführt. Die RGK Südwest fungierte hierbei als assoziierter Projektpartner. Erste, sehr interessante Ergebnisse daraus wurden bereits auf den 2. Ökofeldtagen vorgestellt, eine ausführliche Darstellung wird im Rahmen des Bad Hersfelder Biomasseforums (19./20.11.19) erfolgen.

Im Zuge dieses Vorhabens und in Anbetracht der dabei erzielten wichtigen Ergebnisse für den Ökolandbau in Hessen erfolgt derzeit eine intensive Kommunikation zwischen allen o.g. Institutionen zu den Umsetzungsmöglichkeiten in die Praxis. In diesem Zusammenhang hat die RGK Südwest ihr seit 2018 verfolgtes Vorhaben einer fortlaufenden „Vernetzung“ zwischen Ökolandbau und Kompostwirtschaft („NÖK – Netzwerk Ökolandbau und Kompost“) eingebracht. Bereits seit längerem wird zwischen Kompostwirtschaft und Ökolandbau in Hessen und seit kurzer Zeit auch mit dem HMUKLV zu den Möglichkeiten diskutiert, hierzu ein befristetes „Anschub-Vorhaben“ auf den Weg zu bringen. Seit Anfang Oktober fördert das HMUKL V die Erstellung eines entsprechenden gemeinsamen Konzeptes durch das Witzenhausen Institut und ISA zusammen mit der VÖL, der RGK Südwest und dem LLH – Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen.

Auch in Rheinland Pfalz hat es inzwischen ein erstes Gespräch verschiedener Akteure zum Themenkomplex „Biogutkomposte für den Ökolandbau“ im MUEEF (Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten) gegeben. Dort stieß das Thema ebenfalls auf Interesse und die Gespräche sollen im nächsten Jahr fortgesetzt werden.

Ralf Gottschall

ISA, RG, 10/19

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